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Veröffentlicht am 10.05.2017 von Johannes R. Buch

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Die Prinzen

„Das Leben ist grausam“. Das wissen auch die Prinzen. Ihre A-cappella-Gesänge möchten die Musiker keinesfalls im Schaumbad deutscher Schlagerseligkeit versinken sehen, wollen allenfalls als „Hechte im Schlagerteich“ bezeichnet werden. Die Prinzen sind die erste erfolgreiche Pop-Gruppe der ehemaligen DDR und vor allem kurz nach der Wende sehr erfolgreich.

In perfekter Mehrstimmigkeit intonieren die Prinzen die üblichen Herausforderungen des Alltags. Ein bisschen aufmüpfig, aber nie wirklich böse. Ihr Gesang erinnert ein bisschen an die Comedian Harmonists der 20er Jahre. Auch die Prinzen bringen geübte Chorknaben-Stimmen mit und nutzen diese, um für etwas Schwachsinn und Nonsens in der deutschen Popwelt zu sorgen. Zur Band gehören Sebastian Krumbiegel, Tobias Künzel, Wolfgang Lenk und Henri Schmidt. Sie wurden auch schon als „The New Kids of the Ostblock“ betitelt.

Zu den Vorbildern des Lead-Sängers Krumbiegel gehören die Beatles, The Who, die Beach Boys und The Kinks. Seit er einmal nachts aus dem Internat floh um ein Konzert von The Who zu sehen, stand für Krumbiegel fest, dass er Popmusiker werden möchte. Auf Westtourneen des einst von Johann Sebastian Bach geführten Thomanerchors decken sich die Freunde mit Pop-Platten ein, gründen eine erste Band namens Phoenix, später Rockpol. Diese Aktivitäten mussten heimlich geschehen, um das Ansehen des Chors nicht zu beschädigen. Wo hingegen im Westen jeder seine eigene Rockband gründen konnte wie er wollte, musste man dafür im Osten die „Bezirkskommission für Unterhaltungskunst“ um Erlaubnis bitten, die auch die Gagen verbindlich festlegten.

Trotzdem können die Prinzen der DDR nicht nur schlechtes abgewinnen, besitzen dank ihrer Zugehörigkeit zum Thomanerchor sogar eine gewisse Sonderstellung im Arbeiter- und Bauernstaat. Noch als die Herzbuben entdeckt das um Jens Sembdner erweiterte Quintett schnell ihre Stimmqualitäten.

Zeit nach der Wende

Dann kommt die Wende, womit auch der subventionierte Kulturbetrieb der DDR zusammenbricht. Während sich DDR-Bands wie die Pudhys, Keimzeit, Pankow oder City lange nicht von ihrem „Schrebergarten-Image“ erholen können, gehen die Herzbuben in die Offensive. Annette Humpe, Frontfrau der „Neuen Deutschen Welle“ entdeckt die Band bei einer Fernsehsendung, die oft noch mit den Wildecker Herzbuben verwechselt wird und gibt ihr einen Crashkurs in Musikmarketing. Doch die fühlen sich von den Besser-Wessis überrumpelt. Ihren Sprung aus der FDJ in die Coca-Cola-Kultur haben die fünf trotzdem nicht bereut. Fortan nennen sie sich die Prinzen und liefern ihre ersten ohrwurmtauglichen Hits.

Während Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel die meisten Texte schreiben, sorgt Wolfgang Lenk für die süffigen Arrangements. Ab und zu begleiten Instrumente wie Schlagzeug, Gitarre oder Cello die einzelnen Textstellen. Die Vorliebe für Chorgesänge soll nicht in Stimm-Purismus ausarten. Die Songs handeln von den Missverständnissen der Liebe und wirken oft ein wenig naiv und unschuldig. 1991 erscheint ihr erstes Album „Das Leben ist grausam“, 1992 folgt „Küssen verboten“.

Nonsens statt Konsens!

Eine augenzwinkernde Leichtigkeit bewahrt die meisten Lieder vor ihrem Absturz in die Peinlichkeit – „Es gibt Motoren, in denen acht Zylinder vibrieren. Und Beethoven hat´s geschafft, neun Sinfonien zu komponieren“ … Die Fangemeinde der Gute-Laune-Band könnte kaum unterschiedlicher sein. Die daraus resultierende Verantwortung nutzen die Prinzen für Songs gegen Skinheads und Rechtsradikalismus. Trotzdem lautet weiterhin die Parole: Nonsens statt Konsens! Ihre Konzerte gleichen noch einem Kindergeburtstag, doch die Prinzen wissen damit zu spielen. „Alles nur geklaut“ erscheint 1993 und verkauft sich fast eine Million Mal. 1995 folgt das Album „Schweine“, Annette Humpe verabschiedet sich von der Band, welche jetzt einen Stilwandel vollzieht. Produzent des nächsten Albums „Alles mit`m Mund“ ist der spätere Erfolgs-Entertainer Stefan Raab.

Anschließend folgt eine fast zweijährige Denkpause der Pubertäts-Poeten. Das Soloalbum Krumbiegels von 1999 floppt. Im selben Jahr erscheint „So viel Spaß für wenig Geld“, handelt von schwulen Hunden, vergessenen Kosmonauten und Liebeskünsten im Teutoburger Wald. Erfolgreicher wird das Weihnachtsalbum „Festplatte“ Ende des Jahres. Die Prinzen wollen 2001 heraus aus der Harmlosigkeit und der Song „Deutschland“ des Albums „D“ führt zu einer heißen Debatte. Doch mit den plakativen Pöbeleien des Albums zeigen sie allenfalls Mut. Schnell vergessen wurde auch der Song „Doris K.“, in welchem sie der damaligen Kanzlergattin eine Affäre andichten. Die schnoddrigen Spaßvögel sind mittlerweile zu belehrenden Botschaftern geworden.

In Zeiten, wo terroristische Selbstmordanschläge die westliche Zivilisation erschüttern kommen Songs mit Zeilen, wie „Dann möchte ich `ne Bombe sein und einfach explodiern, wenn alle Leute Hilfe schrein, dann würde was passieren“ nicht mehr so gut an. Bis zum heutigen Tag folgten weitere Alben, die Prinzen feierten 2016 ihr 25-jähriges Bühnen-Jubiläum.

photocredit: By Uploaded by The weaver (Original description page was here.) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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